einmal in der woche trifft man mich mindestens in einem buchladen an, nein, ich bestelle nicht online, ich liebe buchläden, die gehören zu den büchern. das hat bei uns familientradition, mein vater hatte in vielen städten einen lieblingsbuchladen, das waren unsere heimathäfen, familienausflüge begannen oft dort, oder endeten da.
eines meiner schönsten geburtstagsgeschenke hab ich dann auch mit 17 jahren bekommen, nämlich einen gutschein über 100 DM für meinen lieblingsbuchladen. es war nämlich so, dass ich zwar bücher liebte, aber immer extrem wenig geld hatte. das führt dazu, dass ich in der buchhandlung meines vertrauens (wenner's in osnbrück) mindestens 3 stunden verbringen musste, um sicher zu sein, dass ich ein buch kaufe, das mir dann wirklich gefällt. meine auswahlkriterien waren die dicke des buches, schließlich wollte ich möglichst lang etwas davon haben, der buchrückseitentext, der klappentext und die ersten seite. jetzt ist das natürlich leichter, ich kann mir fehlkäufe erlauben, auch lese ich mittlerweile dünne bücher
aber die auswahl wird immer schwieriger, mein vertrauen in die buchrückseiten texte ist nämlich gestört....
auf den buchrückseiten werden oft empfehlungen abgedruckt von zeitschriften, oder tv literatur formaten, da kenn ich mich aus, aber immer öfter werden auch empfehlungen von zeitungen aus den USA abgedruckt, von denen ich noch nie gehört habe, oder autoren, die ihre kollegen loben. in dem fall hinterlässt das eher einen negativen eindruck auf mich (so lange es nicht die times bestenliste ist).
ich denke dann immer, wenn das buch solche tricks notwendig hat, dann kann das ja nicht gut sein. bin marketing geschädigt. ich hab ja jetzt beruflich mit leserrezensionen zu tun und habe mich natürlich gefragt, warum die verlage nicht auf solche empfehlungen zurückgreifen. das würde ich gerne mal ausprobieren, zum beispiel diese rezension, meine frage war danach nur noch, sind die drogen legal, oder wie abgefahren kann das buch sein, muss mir das buch wohl kaufen, um das herauszufinden:)
Rezension vom 12.05.2009 (33)
von Mr. Rail
Ich werfe einen Blick zurück ins Wohnzimmer, fahre mit der Hand an der Außenseite des Buches entlang, drehe es und erkenne das Bild auf dem Umschlag, schlage es langsam auf, taste die erste Seite mit meinen Augen ab, verschließe mich und widerstehe dem einsetzenden Lesereflex nicht, halte mich am nicht existierenden roten Lesefadenbändchen fest und lasse mich fallen - tauche in die Geschichte ein.
Blätter rauschen an mir vorbei - auf Seite fünf verliert die Realität um mich herum die erste Dimension - auf Seite dreißig schrumpft meine Wahrnehmung auf die Tunnel-blickgröße eines Süchtigen - auf Seite siebzig beginne ich die Menschen zu hören, an deren Geschichte ich teilhabe - auf Seite einhundert halte ich den roten Faden nur noch lose in meiner klammen Hand - auf Seite einhundertfünfzig kämpfe ich gegen den Strudel an, beginne Konzentra-tionsübungen um in meiner Welt zu bleiben - auf Seite einhundertsechzig versagen meine Sinne, mein Puls-schlag erhöht sich, ich treibe - auf Seite einhundertvier-undsiebzig wird es dunkel - jetzt kommen die Bilder....
*****
Da ist Kasey Sierra - eine Schönheit, die es nicht erträgt, wahrgenommen zu werden und in Randal jemanden gefunden hat, der sie verkennt. Sie hört eine Stimme in ihrem Kopf und findet Trost unter einem Baum, der mit Kameradeckeln und Tränen wirft.
Ich fühle mit Professor Nunn, der auf der Suche nach seiner Wahrheit seine einzige Tochter in den Tiefen des Meeres verliert und werde Zeuge einer atemberaubenden Suche nach dem Mädchen.
Ich sehe Ned in seinem Taucheranzug auf einem Baum sitzend, mit einer Kamera die Schönheit des Augenblicks einfangend, da er sich der Frau seines Lebens nicht anders nähern kann.
Ich leide mit Aaron und Lia Singer, die sich verlieren obwohl sie so gut aufeinander aufgepasst haben - und bewundere Lia dafür, dass sie Bilder lesen kann, beson-ders das Eine mit dem Mädchen, dessen Hände man nicht mehr sieht.
Und ich werde zu Nathan, dem Ghostwriter, der seine Identität verleugnet um anderen Autoren zu einem unver-hofften Comeback zu verhelfen. Aus seinem Blickwinkel erlebe ich einen geheimnisvollen Auftrag ohne Auftrag-geber, begebe mich auf eine Reise ohne Zeit und Raum. Ich folge Nathan - er nimmt mich bei meiner freien Hand und reicht mir noch mehr Lesefadenbändchen, die er verknüpft und verdreht, bis ich das Gefühl habe, nicht mehr folgen zu können.
Die Bilder fließen zusammen - der Blick öffnet sich und die Schranken der Vorstellung fallen. Eine geheimnisvolle Kraft vereint alle Ebenen und Personen - die Dimension des Augenblicks verliert ihren flüchtigen Charakter - sind alle unsere Erlebnisse und Gefühle die Summe einer größeren Gleichung - einer nie ermessenen Dimension?
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Ich bin gezwungen aufzutauchen - zu atmen - das Buch zu verlassen und fühle mich allein. Aber nur für einen Moment - ich habe die Bilder, die nie vergehen. Sie gehö-ren zu mir und erweitern mein Selbst um die Dimension dieses Buches.
Herr Beuse - Du Stefan - Sie Schriftsteller, ich danke Ihnen für diese Bewusstseinserweiterung und den Blick über den Tellerrand meiner eigenen Denkdimensionen.
Kein "Kann" man lesen - kein "Sollte" man lesen - Nein - ein klares "Muss".
Es war für einen wichtigen Zeitpunkt in meinem Leben "Alles was Du siehst".
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